{"id":3034,"date":"2018-01-26T02:34:30","date_gmt":"2018-01-25T18:04:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.peacefulpillhandbook.com\/deutsch\/?p=3034"},"modified":"2018-01-26T02:41:44","modified_gmt":"2018-01-25T18:11:44","slug":"interview-im-badener-tagblatt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peacefulpillhandbook.com\/deutsch\/interview-im-badener-tagblatt\/","title":{"rendered":"Interview im Badener Tagblatt"},"content":{"rendered":"<h1 class=\"article-header__title\">Die Sterbemaschine des \u00abDr. Tod\u00bb: \u00abDer Sarco macht es m\u00f6glich, mit Eleganz und Stil zu sterben\u00bb<\/h1>\n<div class=\"az-iso az-iso--articleIntro\" data-meta=\"{&quot;id&quot;:&quot;articleIntro&quot;}\">\n<div class=\"az-iso-component\">\n<div class=\"article-intro\" data-reactid=\".xd7l4a0rws\">\n<div class=\"article-intro__lower\" data-reactid=\".xd7l4a0rws.1\">\n<p class=\"intro\" data-reactid=\".xd7l4a0rws.1.0\">Philip Nitschke (70) hat als einer der ersten \u00c4rzte \u00fcberhaupt Suizidhilfe geleistet. Jetzt will der Australier eine neue Maschine f\u00fcr Sterbewillige lancieren \u2013 ausgerechnet in der Schweiz<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"az-iso az-iso--articleDetail\" data-meta=\"{&quot;id&quot;:&quot;articleDetail&quot;}\">\n<div class=\"az-iso-component\">\n<div class=\"article-detail\" data-ad-keywords=\"{&quot;tags&quot;:&quot;freitod,suizidhilfe,sterbemaschine,sarco&quot;,&quot;kind&quot;:&quot;newsarticle&quot;,&quot;storyid&quot;:132126733,&quot;channel&quot;:&quot;leben&quot;,&quot;subchannel&quot;:&quot;leben&quot;}\" data-reactid=\".1l013nob0mg\" data-react-checksum=\"-1554412866\">\n<div class=\"article-body\" data-reactid=\".1l013nob0mg.0\">\n<div data-reactid=\".1l013nob0mg.0.1:$0\">\n<div class=\"copy\" data-reactid=\".1l013nob0mg.0.1:$0.0\">\n<p>Sein Projekt ist haarstr\u00e4ubend, seine Erfindung be\u00e4ngstigend. Doch Philip Nitschke wirkt v\u00f6llig gelassen, wenn er von seiner neuen Suizidmaschine erz\u00e4hlt: \u00abDer Sarco\u00bb, sagt der australische Arzt, \u00abmacht es m\u00f6glich, mit Eleganz und Stil zu sterben.\u00bb<\/p>\n<p>Der Satz sitzt. Nitschke r\u00fcckt die Brille zurecht und setzt zur Erkl\u00e4rung an. Sein Sarco ist eine futuristisch anmutende Sterbekapsel f\u00fcr Suizidwillige, die sich auf Knopfdruck mit Stickstoff f\u00fcllt. Nach einer Minute sei man bewusstlos, nach f\u00fcnf Minuten tot, sagt Nitschke. Der Sarco sieht aus wie ein aufgemotztes \u00abPutschiauto\u00bb einer Chilbibahn. Doch die Kapsel ist nicht zum Spielen da, sondern zum T\u00f6ten. Und wenn es nach Nitschke geht, dann soll sie das ausgerechnet in der Schweiz tun.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.badenertagblatt.ch\/leben\/leben\/die-sterbemaschine-des-dr-tod-der-sarco-macht-es-moeglich-mit-eleganz-und-stil-zu-sterben-132126733?utm_source=dlvr.it&amp;utm_medium=twitter#\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3038\" src=\"https:\/\/www.peacefulpillhandbook.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/badener_video-300x184.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"184\" srcset=\"https:\/\/www.peacefulpillhandbook.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/badener_video-300x184.png 300w, https:\/\/www.peacefulpillhandbook.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/badener_video-620x380.png 620w, https:\/\/www.peacefulpillhandbook.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/badener_video-600x368.png 600w, https:\/\/www.peacefulpillhandbook.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/badener_video-220x135.png 220w, https:\/\/www.peacefulpillhandbook.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/badener_video-130x80.png 130w, https:\/\/www.peacefulpillhandbook.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/badener_video.png 671w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div data-reactid=\".1l013nob0mg.0.1:$2\">\n<div class=\"copy\" data-reactid=\".1l013nob0mg.0.1:$2.0\">\n<p>Der Arzt, der in seiner Heimat den \u00dcbernamen \u00abDr. Tod\u00bb tr\u00e4gt, steht in einer Hotellobby am Flughafen Z\u00fcrich und freut sich \u00fcber das mediale Interesse an seiner Erfindung. Nitschke hat in den 90er-Jahren als einer der ersten \u00c4rzte \u00fcberhaupt eine sterbewillige Person beim Suizid assistiert und k\u00e4mpft bis heute f\u00fcr eine Liberalisierung der Sterbehilfegesetze.<\/p>\n<p>In Z\u00fcrich macht er nur einen kurzen Zwischenstopp. Er ist auf der Durchreise nach Neuseeland. Dort steht eine Kollegin vor Gericht, weil sie einem Sterbewilligen illegal die t\u00f6dliche Substanz Natrium-Pentobarbital besorgt haben soll: jenes Medikament, das auch Schweizer Sterbehilfeorganisationen verwenden, um ihren Patienten einen sanften Tod zu erm\u00f6glichen. Nitschkes Kollegin drohen 14 Jahre Haft. Er will ihr beim Prozess beistehen.<\/p>\n<h2>Tesla der Sterbehilfe<\/h2>\n<p>Der kleine Mann mit dem aufgeweckten Blick und dem breiten australischen Akzent kennt die juristischen T\u00fccken der Sterbehilfe-Branche aus eigener Erfahrung. Nachdem Australien die Sterbehilfe Ende der 90er-Jahre verboten hatte und Nitschke mit seiner Organisation \u00abExit International\u00bb dennoch weiterhin f\u00fcr einen liberalen Umgang mit dem Thema weibelte, hat auch er regelm\u00e4ssig Besuch von der Polizei erhalten.<\/p>\n<p>Sein Sterbehilfebuch \u00abDie friedliche Pille\u00bb wurde in Australien verboten, nachdem sich mehrere junge Menschen mit den darin beschriebenen Methoden das Leben genommen hatten. 2014 entzog ihm die zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde seine Arzt-Lizenz, weil er einen mutmasslichen Serienm\u00f6rder, der bei ihm um Rat nachfragte, nicht von seiner Selbstmordabsicht abbrachte.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div data-reactid=\".1l013nob0mg.0.1:$3\">\n<div class=\"enrichment enrichment--full enrichment--snippet\" data-reactid=\".1l013nob0mg.0.1:$3.0\">\n<div class=\"enrichment-snippet enrichment-snippet--full\" data-reactid=\".1l013nob0mg.0.1:$3.0.0\">\n<div class=\"enrichment-snippet__pandoras-box\" data-reactid=\".1l013nob0mg.0.1:$3.0.0.1\">\n<div id=\"newsletterSignUpForm\">\n<div id=\"mc_embed_signup\">\n<form id=\"formLink\" class=\"validate\" action=\"https:\/\/badenertagblatt.us8.list-manage.com\/subscribe\/post?u=16deca519793f52a2dbd22829&amp;amp;id=9f4b50e22b\" method=\"post\" name=\"mc-embedded-subscribe-form\" novalidate=\"\" target=\"_blank\"><\/form>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div data-reactid=\".1l013nob0mg.0.1:$4\">\n<div class=\"copy\" data-reactid=\".1l013nob0mg.0.1:$4.0\">\n<p>Nitschke prozessierte erfolgreich gegen den Entscheid, erhielt aber die Auflage, sich nicht mehr l\u00e4nger f\u00fcr Suizidhilfe einsetzen zu d\u00fcrfen. Daraufhin verbrannte er demonstrativ seine Arzt-Lizenz und wanderte in das liberale Holland aus, wo er seither auf einem Hausboot wohnt und weiter an Suizidmethoden t\u00fcftelt.<\/p>\n<p>2017 kam ihm die Idee mit dem Sarco: Gemeinsam mit dem holl\u00e4ndischen Designer Alexander Bannink entwarf er das Ger\u00e4t. Nitschke beschreibt es als \u00abEuthanasie-Maschine der Zukunft\u00bb. Das amerikanische Magazin \u00abNewsweek\u00bb nannte es den \u00abTesla der Sterbehilfe\u00bb. Freitod-Gegner verurteilen die Maschine als \u00abmobile Gaskammer\u00bb.<\/p>\n<p>Der Sarco befindet sich derzeit in der Entwicklungsphase. Im April soll das erste funktionst\u00fcchtige Modell stehen. \u00abIch garantiere jetzt schon, dass der Sarco zu hundert Prozent funktionieren wird\u00bb, sagt Nitschke. Die Maschine soll sich dereinst mit einem 3D-Drucker herstellen lassen. Sterbewillige k\u00f6nnten sich die Baupl\u00e4ne erwerben und m\u00fcssten danach bloss einen Online-Test ausf\u00fcllen und beweisen, dass sie zurechnungsf\u00e4hig sind, erkl\u00e4rt er.<\/p>\n<p>Danach erhielten sie einen f\u00fcr 24 Stunden g\u00fcltigen vierstelligen Code. Nachdem man den Code eingibt, str\u00f6mt der Stickstoff in die Kapsel, in der man sich nach seinem Ableben auch gleich beerdigen lassen kann. Der Tod komme schmerzlos, ohne bittere Medikamente, zu Hause im eigenen Garten oder am Lieblingsort mit sch\u00f6ner Aussicht durch den transparenten Sarco-Deckel.<\/p>\n<h2>Sterben als Menschenrecht<\/h2>\n<p>Die Schweiz, findet Nitschke, sei dank ihrer liberalen Sterbehilfebestimmungen der ideale Ort, um sein neues Ger\u00e4t zu lancieren. Tats\u00e4chlich ist die sogenannte indirekte aktive Sterbehilfe hierzulande gesetzlich nicht verboten. Strafbar ist sie nur dann, wenn man den Assistierenden \u00abselbsts\u00fcchtige Beweggr\u00fcnde\u00bb nachweisen kann. Nitschke aber will nichts von Selbstsucht wissen. In seinen Augen ist Sterben ein Menschenrecht. Wer gehen will, soll gehen d\u00fcrfen. Alles, was er tue, sei, den Leuten ihren letzten Wunsch technisch zu erm\u00f6glichen. \u00abWir stellen die Maschine zur Verf\u00fcgung. Der Rest liegt in den H\u00e4nden der Patienten.\u00bb<\/p>\n<p>Nitschke, der nach seinem Wegzug aus Australien eine Weile im jurassischen Pruntrut gelebt hat, kennt die Akteure der Schweizer Sterbehilfeszene und hat sein Sarco-Konzept nach eigenen Angaben auch schon beim Z\u00fcrcher Verein Dignitas und der Basler Stiftung Eternal Spirit vorgestellt. Dignitas-Pr\u00e4sident Ludwig Minelli, dessen Verein Nitschke 2015 im Prozess gegen die australischen Beh\u00f6rden mit 20\u00a0000 Dollar unterst\u00fctzt hat, winkt aber ab.<\/p>\n<p>\u00abIch kenne Herrn Nitschke, habe aber schon lange nicht mehr mit ihm gesprochen\u00bb, sagt Minelli am Telefon. \u00abVon seinem Sarco-Konzept habe ich bisher noch nie geh\u00f6rt.\u00bb Interessant sei der Sarco m\u00f6glicherweise in L\u00e4ndern, in denen andere Sterbehilfemethoden an der Gesetzeslage oder vor den Gerichten scheiterten, glaubt Minelli. \u00abIn der Schweiz besteht f\u00fcr Nitschkes Methode wohl kein Bedarf.\u00bb<\/p>\n<p>\u00c4hnlich sieht das Bernhard Sutter, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Schweizer Sterbehilfevereins Exit: \u00abIn der Schweiz hat sich die Sterbehilfe mit Natrium-Pentobarbital bew\u00e4hrt. Sie entspricht dem, was sich sehr viele schwer leidende Patienten als Sterbeart vorstellen\u00bb, sagt Sutter. Bei Exit habe Nitschke sein Produkt nicht vorgestellt.<\/p>\n<p>Deutliche Worte f\u00fcr den Sarco findet Erika Preisig, Pr\u00e4sidentin der Sterbehilfe-Stiftung Eternal Spirit. \u00abIch lehne die Sarco-L\u00f6sung zu 100 Prozent ab\u00bb, betont die Baselbieter Haus\u00e4rztin. \u00abW\u00fcrden Sie sich denn gerne in einen Plastiksarg legen und sich ins Jenseits bef\u00f6rdern lassen? Das ist doch nicht zumutbar.\u00bb Zwar sei die von Nitschke propagierte L\u00f6sung immer noch besser als beispielsweise der Sprung vor den Zug. \u00abDer Plastiksarg nimmt dem Sterbeprozess aber die W\u00fcrde.\u00bb<\/p>\n<p>Trotzdem kann sie sich vorstellen, dass Nitschkes Produkt f\u00fcr eine kleine Gruppe von Patienten attraktiv sein k\u00f6nnte. \u00abWenn die Schweizer Beh\u00f6rden weiterhin daran festhalten, alte Menschen erst dann in den Tod zu begleiten, wenn sie todkrank sind, dann kann ich mir vorstellen, dass der Sarco sich als Alternative etablieren k\u00f6nnte.\u00bb<\/p>\n<p>Zunehmen w\u00fcrde die Zahl der Freitode deswegen aber nicht, glaubt Preisig. \u00abEs braucht sehr viel Mut, sich in einen Plastiksarg zu legen und den Knopf zu dr\u00fccken, damit das Gas kommt.\u00bb Preisig hofft, dass das Ger\u00e4t in der Schweiz aber gar nie erst eingesetzt wird. \u00abGenau wie bei der Geburt sollte der Arzt auch bei einem Freitod Verantwortung mittragen. Wir sind Gatekeeper und \u00fcberwachen, dass alles gut l\u00e4uft. Wenn der Sarco eingesetzt wird, empfinde ich das als Versagen von uns \u00c4rzten\u00bb, sagt die \u00c4rztin.<\/p>\n<h2>Erster Sarco-Suizid im April?<\/h2>\n<p>Philip Nitschke glaubt trotzdem daran, dass er bald einen Schweizer Partner f\u00fcr sein Projekt finden wird. Dass die Idee gerade in Europa auf Ablehnung st\u00f6sst, versteht er aber: \u00abDer Sarco erinnert die Leute an eine Gaskammer. Und in Europa habt ihr M\u00fche mit Gaskammern, wegen deren Geschichte.\u00bb Seine Maschine sei aber ganz anders, versichert der Australier. \u00abWir verwenden Stickstoff, kein Giftgas. Und der Tod durch Stickstoff ist ein sehr friedlicher, fast euphorischer Tod.\u00bb Mit den Todesk\u00e4mpfen, die Millionen von Menschen in den Gaskammern der Nazis ausgefochten h\u00e4tten, habe das nichts zu tun.<\/p>\n<p>Nitschke kann sich vorstellen, dereinst selbst in den Sarco zu steigen. \u00abIch glaube zwar nicht ans Jenseits. Die Idee der futuristischen Kapsel, die einen von diesem Leben in ein n\u00e4chstes f\u00fchrt, gef\u00e4llt mir trotzdem ausgesprochen gut.\u00bb Im April soll der erste Sarco fertiggestellt sein. Nitschke weiss bereits von einer sterbewilligen Frau, die sich vorstellen kann, ihre letzte Reise in seinem neuen Ger\u00e4t anzutreten. Am liebsten von der Schweiz aus.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Sterbemaschine des \u00abDr. Tod\u00bb: \u00abDer Sarco macht es m\u00f6glich, mit Eleganz und Stil zu sterben\u00bb Philip Nitschke (70) hat als einer der ersten \u00c4rzte \u00fcberhaupt Suizidhilfe geleistet. Jetzt will der Australier eine neue Maschine f\u00fcr Sterbewillige lancieren \u2013 ausgerechnet in der Schweiz Sein Projekt ist haarstr\u00e4ubend, seine Erfindung be\u00e4ngstigend. 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